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"Strecke 2016" PDF Drucken E-Mail

Europa hat sich was eingefangen! Von Peter Jeskulke, 6.16

 

 

 

ja, Europa hatte Fieber. Ich meine diesmal nicht das Flüchtlingsdrama oder Erdogan, nein, das Wetter hatte ein Problem! Schwüle Hitze, Feuchtigkeit, sozusagen Schüttelfrost – abregnen, verdunsten, morgens tiefe Wolken, dann Sonne in den Tälern, schnelle Überentwicklung und alles wieder von vorne, Tag für Tag.

 

 

 

 

Kaum Luftdruckgegensätze, also kaum Wind. Therapeutische kontinentale Hochdruckgebiete oder sogar heiß ersehnte klare atlantische Tiefausläufer setzen sich nicht gegen diese therapieresistente Erkältung durch. Die Verzweiflung war so groß, das die Wetterfrösche einen Trog (abgetropfte Höhenkaltluft über dieser Gewitterdämse) als Kaltfront verkauften. Wenigstens hat sich danach für einen einzigen Tag, den Freitag, eine rückfrontähnliche Wetterlage mit gutem Streckenpotential gezeigt.

 

Für unsere Streckenflugwoche hätten wir uns eine stabilere Wetterkonstitution gewünscht! Aber man nimmt was kommt und macht das Beste daraus.

 

 

Sogar die Schafe sagten: Geht fliegen!

 

Freitags am 3.6.16 losgefahren, Erika, Jürgen und ich, das Nova Testival in Lermoos im Kopf, Schauer, Gewitter, Sonne und Starkregen durchfahren, standen wir abends im Regen unter der Zugspitze in Alex Rauschers Gleitschirmshop. Ja, mittags sei geflogen worden, da wären wir zu spät. Und Toni Bender sei auch noch nicht gekommen, also auch keine Testschirme, genausowenig wie Testivalbesucher, wetterbedingt! Aber man hätte ja BGD-Schirme, den Base(B) oder den Cure(C), und wenn wir morgen früh da wären, gäbe es bestimmt eine Lücke in den tiefen Wolken. Und Toni würd` dann für Jürgen das Somnium Liegegurtzeug in L zum testen mitbringen, denn Woody Valley ging gar nicht!

 

 

Wir waren dann da, samstags, tiefe Wassersäcke verdeckten die Startplätze, nass, nicht einladend, kein Toni! Fahrt schon mal hoch, es reißt gleich auf, na wers glaubt....

Tat es dann wirklich, Toni Bender kam knapp, Jürgen dann im Somnium, Erika unter dem Base und ich unter dem Cure, es reichte für eine ¾ Stunde airtime vor dem nächsten Starkregen. So war Lermoos.

 

Übernachtet im Sellraintal, Sonntag morgen Weiterfahrt im Regen nach Schladming, von Nordost sollte es etwas abtrocknen. Zwischenstopp bei Manfred Dornauer im Zillertal. Berge in den Wolken, aber: Fahrt schon mal hoch, es reißt gleich auf, na wers glaubt....

 

 

Tat es diesmal nicht, eine Stunde in den Wolken am Penken oben gewartet, dann einige Lücken, kurze Sicht auf grüne Wiesen im Tal, sollte es gehn? Start nach Nordost, durch die Lücken geflogen, sozusagen von oben "Basis gemacht", ein Erlebnis!

 

 

Unten an der Basis angekommen, eine gute halbe Stunde geblieben, dann aber ab ins Tal, im Gebirge regnete es schon wieder. Im Tal bald auch. Auf der Autofahrt nach Schladming auch.

 

In Schladming stieß Christian dann zu uns, Unterkunft gesucht, es wurde ein schickes Hotel, der Druschhof (http://www.druschhof.at/), etwas teuer aber incl. Sommercard, d.h. eine Bergbahn 1x täglich umsonst  (z.B. die Planai in Schladming, normalerweise 22.- €). Der Landeplatz einer Flugschule war direkt vor dem Haus, die Chefin sagte, "landets doa ruhig, koan Problem"!

 

 

Wetter gecheckt, nichts neues, schwacher Höhenwind aus Nord, die besten Flugbedingungen wahrscheinlich mittags. Der Nord war zu schwach um an den Nordhängen zu fliegen, also stand der Plan für den Stoderzinken mit seinen S-SO-Hängen, den wir aus 2013 schon kannten. Nach dem Frühstück in den Bulli, Christians Auto blieb mit Schlüssel am Hotel. Wanderparkplatz am Stoderzinken in 1600 m Höhe, Startplätze zu Fuß zu erreichen in 2000 m Höhe. Eine grandiose Landschaft, einfacher aber alpiner Bergpfad, eine ¾ Stunde Fußmarsch, herrlich!

 

 

Oben angekommen standen wir erstmal gegen 11.00 h 200 m über der Basis. Wolkenfetzen jagten in der kontinuierlichen Thermik über den Startplatz, der schwache Nord hatte keine Chance gegen die Thermik aus SO. Nach einer Stunde war die Basis endlich über Startplatzhöhe, gestartet, wir hatten etwas Respekt vor der hochalpinen Landschaft und der Leesituation. Jürgen dreht auf, entschied sich dann für den Direktflug zum Hotel, wir drei versuchten uns an der Leethermik Richtung Dachstein. Gipfel teilweise in den Wolken, einige Turbulenzen, interessanter Flug über 90 min. XC-Tracks im Vergleich

 

 

Am Nachmittag bleib das Wetter so stabil, dass ein 2. Flug von der Planai möglich war, ich schaffte nochmal 20 km vor den sich türmenden Wolken.

 

Für die 3 Tage blieb es dann bei diesem Programm, morgens Stoderzinken, nachmittags Sommercard für Planai. Irgendjemand landete immer am Hotel, eine ca. 40-köpfige Rentnertuppe mit Reisebus aus Recklinghausen wohnte auch dort und spendete für jede Landung Beifall!

Dienstag: XC Tracks 2

 

Das Wetter blieb wie es war. Abends durch Schladming gelaufen, nett gegessen, viel geklönt, mit Regenschirm zurück ins Hotel, eine schöne Zeit.

 

 

Wenns regnet, dann eben Dachsteingletschertour.

 

Ein Highlight für mich am Mittwoch, dem 3. "Stoderzinkentag":

Erika und ich waren diesmal nicht Richtung Dachstein sondern nach Osten zum Grimming geflogen, das Wetter sah dort stabiler aus. Die Basis war bei 2600 m, der Berg östlich von uns, die Mitterspitze, war 2100 m hoch. Darüber breitete sich eine ziemlich beeindruckende Kumuluswolke aus. Unter der Basis angekommen, hielt ich mich nach Luv, kam an den Wolkenrand und ...... ich soarte in dem Nordwind an der Wolke hoch! Genial, furchteinflößend, so eine riesige Kumuluswolke neben einem! Am Grimming, dem folgenden Berg Richtung Ost kam ich unter Grad an, versuchte im Norden hoch zu soaren, der Wind reichte nicht, also an den Südflanken versucht, etwas Höhe gemacht, allerdings mit einigen Leeturbulenzen erkauft! Weiter wollte ich dann nicht, also zurück. Über Gröbming fast abgesoffen (Erika ganz abgesoffen), 100 m über Grund gute Luft gefunden und nochmal aufgedreht, es reichte zurück bis zum Hotel (Rentner-Beifall!), einem kleinen Schauer, den ich vor/über mir sah, musste ich ausweichen. Von außen nicht nass geworden, nur später von innen Landebier!  XC-Tracks 3,

 

 

Dann war Donnerstag, der Tag der "Kaltfront", haben uns ins Auto gesetzt und sind dem guten Wetter entgegen gefahren, Ziel Zams bei Landeck, der Venet sollte es werden. Unterkunft in einem Gasthof mit Metzgerei , 70-er Jahre Charme und zum Hotel zuvor ein herber Rückschritt. Aber wir wollten da ja nur schlafen. Wenigstens war das Essen im Restaurant des Hause sehr gut.

 

Der Freitag, blauer Himmel, erste zaghafte Kumuli über den SO-Hängen, KEINE Überentwicklungen, göttlich! Wir wollten früh starten, waren schon mit 15 anderen Streckenfliegern um 11.00 h am Gipfel. Geplant war ein Dreieck Landeck-Mieming-Sölden-Landeck Aber die nassen Wiesen sollten erstmal trocken werden, dafür hatte Petrus fast 2 weitere Stunden vorgesehen, also Start erst um 12.45 h. Tracks von Erika und Peter

Über dem Gipfel aufgedreht, wie am Vorabend besprochen auf die SO-Hänge des Inntals gewechselt und Richtung Imst vorgeflogen. Die Basis war tiefer als angesagt. Erika kam tief, eine Stunde gebastelt, dann erst wieder über Grad. Christian und ich, etwas weiter bei Imst, fast das gleiche, wir haben uns dann über Hochimst wiedergetroffen während Erika noch Überlebenstraing unter Gradniveau machte. Jürgen genauso, musste landen, funkte uns zu, er würde das Auto nehmen und zur Acherkogelbahn in Ötz fahren, da könnten wir uns wiedertreffen. Christian und ich querten zum Wanning, es wehte recht kräftig aus NW. Erika funkte, sie wäre wieder unter den Lebenden, kürzte dann das Dreieck ab und flog direkt in das Ötztal ein.

 

 

Christian und ich wurden jetzt erstmal zwischen Wanning und Mieminger Kette durch den Nordwind heruntergespült, er kam tief und musste wieder basteln. Ich rettete mich hinter die Mieminger Kette ins Lee, was mich dann aber zur frühzeitigen Umkehr bewegte, ich war die Leethermik leid! Um das Ötztal zu erreichen nutze dann Christian, der sich wieder am Wanning hochgearbeitet hatte, den direkten Weg über den Simmering. Mitten über dem Gipfel Thermik, aber auch ein unschönes Luftraumkonglomerat, Einflugschneise Flughafen Innsbruck! (Danach wollte Christian den Flug doch nicht mehr ins Netz stellen, die Thermik hätte ca. 300 m zu weit re gestanden). Ich soarte im Fernpasswind zum Tschirgant hoch, um diese Lufträume zu umgehen, nutzte die Gipelthermik bis 3300 m und querte erst dann ins Ötztal. Ein kleiner Umweg.

Am Acherkogel trafen wir dann beide gleichzeitig ein, Erika war auch schon da und Jürgen drehte munter zu dem nördlichsten 3000-er der Alpen auf. Gemeinsam machten wir vier uns auf den Weg nach Sölden, es wurde aber etwas mühsam. Wir schafften es nicht mehr immer über Grad zu bleiben. Es wurde gekämpft, der Wendepunkt nach Längenfeld vorverlegt, Christian und Jürgen landeten frühzeitig nahe Umhausen.

 

 

Ich nahm den offiziellen Landeplatz in Ötz.... Und Erika machte den "home run"! Soarte über die Prallhänge des Nordwindes bis Schönwies, wenige Kilometer vor Landeck.

 

 

7 Stunden unterwegs ! Das war ein Tag! DIE Entschädigung für das chronisch kranke Wetter. So kamen dann doch noch 15 Stunden "airtime" für mich in dieser Woche zusammen.

 

Unsere Heimreise traten wir am Samstag natürlich wieder bei Regen an, unser Bulli machte noch einen Umweg über Thüringen, um die Vereinswinde aus der Reparatur zu holen.

 

Wer Lust hat, ein paar mehr Bilder von uns zu sehen, kann sich mal dieses Filmchen ansehen. Viel Spaß dabei, wir hatten es in jedem Fall.

 

Viele Grüße und immer gute Flüge

Peter

 

 

 

 

 

 
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